Warum mein Ziel dennoch Business Class ist, ich es aber nicht um jeden Preis erreichen will

Wer sich mit Meilen, Vielfliegerprogrammen oder Kreditkarten beschäftigt, stößt früher oder später auf dasselbe Bild: Business Class scheint das ultimative Ziel zu sein. In vielen Videos, Blogs und sozialen Netzwerken entsteht der Eindruck, als hätte man das Meilensammeln erst dann wirklich verstanden, wenn man möglichst oft vorne im Flugzeug sitzt.

Ich sehe das etwas anders.

Ja, ich möchte irgendwann Business Class fliegen. Ich finde den zusätzlichen Komfort auf langen Reisen attraktiv und freue mich darauf, dieses Erlebnis bewusst zu genießen. Trotzdem ist Business Class für mich kein Muss und schon gar kein Maßstab für finanziellen Erfolg.

Für mich sind Meilen ein Werkzeug, um Reisen angenehmer zu machen – nicht der Mittelpunkt meines Lebens. Genau deshalb sammle ich sie ohne Druck und ohne mein gesamtes Konsumverhalten danach auszurichten.

In diesem Artikel erfährst du

Business Class ist ein Ziel – kein Lebensstandard

Business Class bietet viele Vorteile. Mehr Platz, ein bequemes Bett auf Langstreckenflügen, besseres Essen, Zugang zur Lounge und oft ein entspannteres Reiseerlebnis können den Unterschied deutlich machen. Besonders bei Flügen von zehn oder mehr Stunden macht sich der zusätzliche Komfort bemerkbar.

Trotzdem gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen einem Wunsch und einem Anspruch.

Ein Ziel motiviert. Ein Anspruch erzeugt oft Druck.

Wenn Business Class zur Erwartung wird, verändert sich schnell die eigene Sichtweise. Plötzlich fühlt sich Economy wie ein Rückschritt an, obwohl Millionen Menschen jedes Jahr vollkommen zufrieden in der Economy Class reisen.

Ich möchte genau das vermeiden. Business Class soll für mich etwas Besonderes bleiben – nicht der neue Standard.

Die Realität der meisten Meilensammler

Viele Inhalte rund um Meilen vermitteln ein Bild, das mit dem Alltag der meisten Menschen wenig zu tun hat.

Nicht jeder verfügt über hohe sechsstellige Firmenausgaben, eine Kreditkarte mit enormen Umsätzen oder unzählige Geschäftsreisen. Die meisten Menschen verdienen ein normales Einkommen, bezahlen ihre alltäglichen Ausgaben und möchten dabei möglichst sinnvoll mit ihrem Geld umgehen.

Genau zu dieser Gruppe gehöre auch ich.

Deshalb finde ich es wichtig, realistische Erwartungen zu haben. Business Class jedes Jahr ist für viele Normalverdiener weder notwendig noch wirtschaftlich sinnvoll. Das bedeutet aber nicht, dass sich Meilen nicht lohnen. Im Gegenteil: Gerade mit einer langfristigen Strategie können sie den Unterschied machen – ohne dass man sein gesamtes Leben danach ausrichten muss.

Falls du gerade erst mit dem Thema beginnst, lohnt sich zunächst ein Blick in den Artikel „Was sind Meilen? Einfach erklärt“. Dort erfährst du, wie Vielfliegerprogramme überhaupt funktionieren und warum Meilen mehr sind als nur Punkte.

Die eigentlichen Kosten von Business Class

Oft wird nur darüber gesprochen, wie komfortabel Business Class ist. Viel seltener geht es um die Frage, worauf man dafür verzichtet.

Denn jede Entscheidung hat sogenannte Opportunitätskosten.

Wer mehrere Tausend Euro für ein Upgrade ausgibt oder besonders viele Meilen sammeln möchte, verzichtet häufig auf andere Möglichkeiten. Zum Beispiel auf:

  • eine höhere Sparquote
  • zusätzliche Investitionen
  • weitere Urlaubsreisen
  • finanzielle Flexibilität

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Ist Business Class besser?“

Natürlich ist sie das in vielen Bereichen.

Die wichtigere Frage lautet:

„Ist sie mir den Preis oder die eingesetzten Meilen in diesem Moment wert?“

Diese Frage beantwortet jeder anders – und genau das ist völlig in Ordnung.

Warum ich lieber warte als Business Class zu erzwingen

Ich mag den Gedanken, dass sich Luxus entwickeln darf. Heute fliege ich häufig Economy, investiere einen Teil meines Einkommens und sammle nebenbei Meilen. Irgendwann reichen diese Meilen vielleicht für einen besonderen Business-Class-Flug.
Das fühlt sich für mich deutlich besser an, als zwanghaft jede Ausgabe zu optimieren oder zusätzlich Geld auszugeben, nur um schneller an eine Prämienreise zu kommen.

Luxus wird für mich wertvoller, wenn ich ihn bewusst genieße. Nicht, wenn ich ihn unbedingt erreichen muss.

Mein Geld soll zuerst für mich arbeiten

Ein Euro kann nur einmal ausgegeben werden.

Entweder investiere ich ihn in mehr Komfort auf einer Reise oder ich investiere ihn langfristig in mein Vermögen.

Natürlich gibt es Situationen, in denen Business Class die richtige Entscheidung sein kann. Trotzdem gilt für mich:

Langfristiger Vermögensaufbau schafft deutlich mehr Freiheit als kurzfristiger Luxus.

Das bedeutet nicht, dass Reisen unwichtig sind. Es bedeutet lediglich, dass ich meine Prioritäten kenne.

Ein bequemerer Sitz verschwindet nach wenigen Stunden.

Ein sinnvoll investierter Euro kann über viele Jahre für mich arbeiten.

Mehr Reisen oder mehr Komfort?

Wenn ich die Wahl habe, entscheide ich mich häufig lieber für mehrere Reisen in der Economy Class als für eine einzige Reise in der Business Class.

Denn am Ende erinnere ich mich vor allem an:

  • die Orte, die ich besucht habe
  • die Menschen, die ich getroffen habe
  • die Erlebnisse vor Ort

Der Sitz im Flugzeug spielt dabei oft eine kleinere Rolle, als viele zunächst glauben.

Das bedeutet nicht, dass Business Class keinen Mehrwert bietet. Ich finde lediglich, dass Erlebnisse langfristig häufig wertvoller sind als zusätzlicher Komfort während des Fluges.

Diese Sichtweise habe ich bereits ausführlicher im Artikel „Business Class ist nicht das Ziel“ beschrieben.

Meilen sollen mein Leben einfacher machen – nicht komplizierter

Ein häufiger Fehler besteht darin, das gesamte Leben auf das Sammeln von Meilen auszurichten.

Dann werden plötzlich:

  • Einkäufe verschoben,
  • unnötige Produkte gekauft,
  • jede Aktion verfolgt,
  • jeder Coupon aktiviert,
  • jede Ausgabe optimiert.

Für manche Menschen macht genau das Spaß.

Für mich nicht.

Ich möchte ein einfaches System haben, das nebenbei funktioniert.

Ich nutze Kreditkarten dort, wo sie sinnvoll sind. Ich sammle Punkte bei alltäglichen Ausgaben und nehme gute Aktionen gerne mit. Aber ich kaufe nichts, nur um mehr Meilen zu erhalten.

Genau deshalb passt auch mein 80/20-Ansatz so gut zu diesem Thema.

Wann Business Class für mich wirklich sinnvoll ist

Obwohl Business Class kein Muss ist, gibt es Situationen, in denen ich sie für eine sinnvolle Entscheidung halte.

Zum Beispiel:

  • bei sehr langen Interkontinentalflügen
  • für besondere Reisen, auf die ich lange hingearbeitet habe
  • wenn genügend Meilen ohnehin vorhanden sind
  • wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis außergewöhnlich gut ist
  • wenn ich das Erlebnis mit meiner Partnerin, Familie oder Freunden teilen kann

In diesen Fällen wird Business Class zu einem bewussten Highlight.

Nicht zu einer Selbstverständlichkeit.

Der psychologische Fehler vieler Meilensammler

In der Meilenwelt wird Business Class häufig mit Erfolg gleichgesetzt.

Wer vorne sitzt, scheint es geschafft zu haben.

Dabei hat die Sitzklasse nur sehr wenig mit der eigenen finanziellen Situation zu tun.

Ein Mensch kann regelmäßig Business Class fliegen und trotzdem kaum Vermögen besitzen.

Ein anderer fliegt Economy, investiert konsequent und baut sich über Jahre finanzielle Freiheit auf.

Dein Depot interessiert sich nicht dafür, in welcher Sitzklasse du geflogen bist.

Dein Vermögensaufbau ebenfalls nicht.

Deshalb versuche ich, mich nicht von Bildern oder Erfolgsstories anderer beeinflussen zu lassen.

Mein persönlicher Ansatz

Ich sammle Meilen bewusst, aber ohne Perfektionismus.

Das bedeutet konkret:

  • Ich optimiere nicht jede einzelne Ausgabe.
  • Ich kaufe nichts ausschließlich wegen der Punkte.
  • Ich nutze Aktionen nur, wenn sie ohnehin zu meinem Alltag passen.
  • Mein Fokus bleibt auf langfristigem Vermögensaufbau.

Wenn dadurch irgendwann Business Class möglich wird, freue ich mich umso mehr.

Wenn nicht, ist das ebenfalls völlig in Ordnung.

Denn mein eigentliches Ziel besteht nicht darin, möglichst luxuriös zu reisen.

Mein Ziel ist finanzielle Freiheit und entspannte Reisen.

Meilen unterstützen dieses Ziel – sie ersetzen es nicht.

Wer sich fragt, ob sich Meilen gegenüber Cashback überhaupt lohnen, findet dazu im Artikel „Meilen vs. Payback & Cashback – Alltag oder Reisen, was lohnt sich mehr?“ einen ausführlichen Vergleich.

Mit der passenden Kreditkarte zusätzlich Meilen sammeln

Wenn du ohnehin regelmäßig mit Kreditkarte bezahlst, kannst du deine alltäglichen Ausgaben nutzen, um zusätzlich Punkte oder Meilen zu sammeln. Wichtig ist dabei, eine Kreditkarte zu wählen, die zu deinen Ausgaben und Reisegewohnheiten passt – und nicht mehr Geld auszugeben, nur um schneller Meilen zu sammeln.

Die American Express Gold Card kann interessant sein, wenn du mit alltäglichen Ausgaben Membership Rewards Punkte sammeln und diese flexibel für verschiedene Vielfliegerprogramme nutzen möchtest.

Die American Express Platinum Card bietet ebenfalls die Möglichkeit, Membership Rewards Punkte zu sammeln, richtet sich durch ihre höhere Jahresgebühr und umfangreichen Reisevorteile aber eher an Menschen, die diese Leistungen regelmäßig nutzen.

Wenn du hauptsächlich Miles & More Meilen sammeln möchtest, kann dagegen eine Miles & More Kreditkarte(Blue oder Gold) die direktere Alternative sein. Deine Kartenumsätze sammeln Meilen unmittelbar im Miles & More Programm, ohne dass du Punkte zunächst übertragen musst.

Welche Kreditkarte sinnvoll ist, hängt deshalb vor allem davon ab, wie du reist, wie viel du mit der Karte bezahlst und welche Leistungen du tatsächlich nutzt. Eine Kreditkarte sollte zu deinem Alltag passen – nicht dein Alltag zur Kreditkarte.

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Mein Fazit: Luxus bewusst genießen

Business Class ist für mich ein Wunsch.

Aber sie bestimmt nicht meine finanziellen Entscheidungen.

Ich möchte sie erleben, wenn sie zu meiner Situation passt. Nicht, weil ich glaube, sie zu brauchen, um erfolgreich zu sein.

Lieber investiere ich regelmäßig, reise häufiger und sammle Meilen ohne Druck, als mein gesamtes Konsumverhalten auf ein möglichst luxuriöses Flugticket auszurichten.

Gerade dadurch bleibt Business Class etwas Besonderes.

Und genau das macht ihren Reiz aus.

Am Ende begleitet mich ein einfacher Gedanke:

Ich möchte mir Business Class leisten können – nicht sie brauchen, um mich erfolgreich zu fühlen.

Wenn du Meilen gerade erst für dich entdeckst, empfehle ich dir zunächst die Grundlagen zu verstehen. Lies zuerst „Was sind Meilen? Einfach erklärt“ und anschließend „Wie viel sind Meilen wert?“. So kannst du besser einschätzen, ob das Sammeln von Meilen zu deinem Reiseverhalten passt und welche Strategie langfristig sinnvoll ist.


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