Der Notgroschen ist aufgebaut, das Tagesgeldkonto ist ausreichend gefüllt und unerwartete Ausgaben bringen dich nicht mehr sofort in finanzielle Schwierigkeiten. Für viele ist das ein wichtiger Meilenstein – gleichzeitig entsteht genau an diesem Punkt eine neue Frage:
Was mache ich jetzt mit dem Geld, das ich jeden Monat übrig habe?
Viele Menschen sparen nach dem Erreichen ihres Notgroschens einfach weiter auf das Tagesgeldkonto. Das fühlt sich sicher an, ist langfristig aber oft nicht die beste Entscheidung. Denn Geld, das dauerhaft unverzinst oder nur gering verzinst liegen bleibt, verliert durch die Inflation schleichend an Kaufkraft.
Die gute Nachricht: Wer bereits einen ausreichenden Notgroschen besitzt, hat die Grundlage geschaffen, um die eigenen Finanzen gezielt weiterzuentwickeln. Nun geht es darum, das Geld sinnvoll auf verschiedene Ziele zu verteilen – statt alles an einem Ort anzusammeln.
In diesem Artikel erfährst du, welche Möglichkeiten nach dem Notgroschen sinnvoll sind, wie du Prioritäten setzt und welche Fehler viele Sparer in dieser Situation machen.
Warum der Notgroschen nur der erste Schritt ist
Der größte Vorteil eines Notgroschens besteht nicht darin, dass das Geld Rendite erwirtschaftet. Sein eigentlicher Zweck ist Sicherheit.
Er sorgt dafür, dass unerwartete Ausgaben wie eine kaputte Waschmaschine, eine hohe Autoreparatur oder eine kurzfristige Zahnarztrechnung nicht dazu führen, dass du Kredite aufnehmen oder Investments verkaufen musst.
Genau deshalb sollte ein Notgroschen jederzeit verfügbar sein. Die beste Rendite spielt hier eine untergeordnete Rolle.
Sobald dieses Sicherheitsnetz jedoch steht, verändert sich die Aufgabe deines Geldes.
Jetzt muss nicht mehr jeder zusätzliche Euro maximale Liquidität besitzen. Stattdessen kann dein Geld unterschiedliche Aufgaben übernehmen:
- Vermögen aufbauen
- größere Anschaffungen finanzieren
- langfristige Ziele erreichen
- finanzielle Freiheit erhöhen
- Inflation ausgleichen
Viele Menschen machen den Fehler, weiterhin ausschließlich Geld anzusparen, obwohl sie eigentlich längst bereit wären, den nächsten Schritt zu gehen.
Woran erkennst du, dass dein Notgroschen wirklich ausreicht?
Nicht jeder braucht denselben Betrag.
Als Faustregel gelten drei bis sechs Monatsausgaben. Entscheidend sind allerdings deine persönliche Lebenssituation und dein Sicherheitsbedürfnis.
Ein Angestellter mit unbefristetem Arbeitsvertrag benötigt meist weniger Reserve als ein Selbstständiger oder jemand mit stark schwankendem Einkommen.
Auch Familien mit Kindern oder Menschen mit älteren Fahrzeugen kalkulieren häufig etwas großzügiger.
Falls du noch unsicher bist, wie hoch dein finanzielles Polster tatsächlich sein sollte, findest du im Artikel „Tagesgeld vs. Girokonto“ sowie bei „Einlagensicherung einfach erklärt“ weitere Informationen dazu, wo dein Notgroschen sicher aufgehoben ist und warum ein Tagesgeldkonto dafür meistens die bessere Wahl ist.
Erst wenn du bei unerwarteten Ausgaben nicht mehr nervös auf dein Kontoguthaben schaust, kannst du davon ausgehen, dass dein Notgroschen seinen Zweck erfüllt.
Jetzt braucht dein Geld verschiedene Aufgaben
Viele betrachten ihr Vermögen als einen einzigen großen Geldtopf.
Tatsächlich funktioniert eine sinnvolle Finanzplanung deutlich besser, wenn jedes Geld einen klaren Zweck erhält.
Statt jeden Euro auf dem Tagesgeldkonto zu sammeln, kannst du dein Vermögen in verschiedene Bereiche aufteilen.
| Bereich | Zweck |
|---|---|
| Notgroschen | Sicherheit |
| Girokonto | laufende Ausgaben |
| Rücklagen | geplante Anschaffungen |
| Depot | langfristiger Vermögensaufbau |
| Freizeitkonto (optional) | Urlaub, Hobbys, Wünsche |
Dadurch entsteht automatisch mehr Übersicht.
Du weißt jederzeit, welches Geld du ausgeben kannst und welches ausschließlich für deine Zukunft gedacht ist.
Schritt 1: Geplante Ausgaben separat ansparen
Nicht jede größere Ausgabe ist ein Notfall.
Ein neues Smartphone, der nächste Urlaub oder Winterreifen kommen meistens nicht überraschend.
Trotzdem werden solche Ausgaben häufig vom Notgroschen bezahlt.
Dadurch muss dieser anschließend wieder aufgefüllt werden – obwohl eigentlich gar kein Notfall eingetreten ist.
Deutlich sinnvoller ist es, eigene Rücklagen für planbare Ausgaben anzulegen.
Beispiele:
- Urlaub
- Auto-Reparaturen und Wartung
- Möbel
- Umzug
- neue Elektronik
- Versicherungszahlungen
- Weihnachten
- Haustiere
Viele Banken ermöglichen mittlerweile mehrere Unterkonten oder Spartöpfe. Dadurch bleibt dein Notgroschen unberührt.
Schritt 2: Mit dem Vermögensaufbau beginnen
Ist der Notgroschen vollständig und existieren Rücklagen für größere Anschaffungen, beginnt für viele der wichtigste finanzielle Abschnitt.
Jetzt arbeitet dein Geld langfristig für dich.
Das bedeutet nicht, dass du plötzlich riskante Investments eingehen musst.
Es bedeutet lediglich, dass Geld, welches du viele Jahre nicht benötigst, eine höhere Renditechance erhalten darf.
Hier kommen vor allem breit gestreute ETFs oder langfristige Wertpapierdepots ins Spiel.
Während Tagesgeld hauptsächlich Sicherheit bietet, dienen ETFs dem Vermögensaufbau.
Wer jeden Monat bereits 100 oder 200 Euro investiert, profitiert langfristig vom Zinseszinseffekt und den Erträgen der Kapitalmärkte.
Falls das Thema für dich neu ist, findest du im ausführlichen Leitfaden „Depot eröffnen für Einsteiger“ sowie im Artikel „Vermögen aufbauen für Einsteiger“ eine Schritt-für-Schritt-Erklärung für den Einstieg.
Warum nicht einfach alles auf dem Tagesgeld lassen?
Diese Frage stellen sich viele Menschen.
Schließlich ist das Geld dort sicher und jederzeit verfügbar.
Kurzfristig stimmt das aber langfristig entstehen jedoch zwei Probleme.
Zum einen liegt der Zinssatz häufig unter der Inflationsrate. Dadurch verliert dein Vermögen real an Wert und zum anderen wächst dein Vermögen deutlich langsamer als an den Kapitalmärkten.
Ein einfaches Beispiel:
Du besitzt 30.000 Euro.
Bleibt dieses Geld viele Jahre ausschließlich auf dem Tagesgeldkonto, wächst es – abhängig vom Zinssatz – nur langsam.
Ein breit gestreutes Investment besitzt zwar Wertschwankungen, konnte historisch über sehr lange Zeiträume jedoch deutlich höhere durchschnittliche Renditen erzielen.
Deshalb sollte nur der Geldbetrag jederzeit verfügbar bleiben, den du tatsächlich kurzfristig benötigst.
Alles andere darf langfristig produktiver arbeiten.
Schritt 3: Finanzielle Ziele definieren
Viele Menschen sparen einfach „für später“.
Das klingt vernünftig, führt aber oft dazu, dass Geld ohne konkreten Plan angesammelt wird.
Besser ist es, jedem Sparziel einen Namen zu geben.
Zum Beispiel:
- Eigenkapital für eine Immobilie
- Weltreise
- früher in Rente gehen
- neues Auto
- Weiterbildung
- finanzielle Freiheit
- Unternehmensgründung
Konkrete Ziele helfen dabei, die passende Anlageform auszuwählen.
Wer in zwei Jahren eine Immobilie kaufen möchte, investiert anders als jemand, der erst in 30 Jahren in Rente gehen möchte.
Gerade deshalb gibt es keine pauschale Antwort darauf, was nach dem Notgroschen richtig ist. Entscheidend ist immer der Zeitraum, in dem das Geld wieder benötigt wird.
Welche Reihenfolge ist sinnvoll?
Viele Ratgeber vermitteln den Eindruck, dass es nach dem Notgroschen nur eine richtige Lösung gibt. Die Realität sieht jedoch anders aus. Ob du zuerst investierst, Eigenkapital für eine Immobilie aufbaust oder für eine größere Reise sparst, hängt vollständig von deinen persönlichen Zielen ab.
Dennoch hat sich für die meisten Menschen eine sinnvolle Reihenfolge bewährt.
- Notgroschen aufbauen
- Geplante Rücklagen bilden
- Schulden mit hohen Zinsen abbauen
- Langfristig investieren
- Größere Vermögensziele verfolgen
Diese Reihenfolge sorgt dafür, dass du weder bei unerwarteten Ausgaben noch bei planbaren Anschaffungen deine Geldanlage anfassen musst. Gleichzeitig beginnt dein Vermögen möglichst früh zu wachsen.
Sollte ich den Notgroschen später erhöhen?
Eine häufige Frage lautet: Muss der Notgroschen dauerhaft gleich bleiben?
Nicht unbedingt, denn deine finanzielle Situation verändert sich im Laufe des Lebens.
Vielleicht ziehst du um, bekommst Kinder, kaufst ein Haus oder wechselst in die Selbstständigkeit. Mit steigenden monatlichen Ausgaben sollte auch dein Sicherheitsnetz regelmäßig überprüft werden.
Ein Beispiel:
Mit 1.800 Euro monatlichen Ausgaben reichen möglicherweise 6.000 bis 8.000 Euro als Reserve.
Steigen deine Fixkosten später auf 3.000 Euro im Monat, sollte auch dein Notgroschen entsprechend wachsen.
Es lohnt sich daher, den Betrag einmal im Jahr zu überprüfen. Häufig genügt eine kleine Anpassung – ein kompletter Neuaufbau ist in den meisten Fällen nicht notwendig.
Was tun, wenn der Notgroschen genutzt wurde?
Ein Notgroschen ist dazu da, genutzt zu werden.
Viele Menschen ärgern sich, sobald sie Geld daraus entnehmen müssen. Tatsächlich erfüllt der Notgroschen in diesem Moment genau seinen Zweck.
Angenommen, dein Auto benötigt unerwartet eine Reparatur für 1.500 Euro. Ohne finanzielle Reserve müsstest du möglicherweise:
- einen Dispokredit nutzen,
- eine Finanzierung aufnehmen oder
- Wertpapiere zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen.
Mit einem Notgroschen kannst du die Rechnung sofort bezahlen und anschließend den entnommenen Betrag Schritt für Schritt wieder auffüllen.
Die wichtigste Regel lautet daher:
Erst den Notgroschen wieder auf die gewünschte Höhe bringen, bevor zusätzliches Geld investiert oder für andere Ziele verwendet wird.
So bleibt dein Sicherheitsnetz dauerhaft erhalten.
Typische Fehler nach dem Erreichen des Notgroschens
Der Notgroschen ist zwar ein wichtiger Meilenstein, dennoch passieren danach häufig dieselben Fehler.
Alles auf dem Tagesgeldkonto liegen lassen
Sicherheit ist wichtig – dauerhaft zu viel Liquidität kostet jedoch Rendite. Wer zehntausende Euro über viele Jahre ausschließlich auf dem Tagesgeldkonto liegen lässt, verzichtet oft auf erhebliches Vermögenswachstum.
Zu früh alles investieren
Das andere Extrem ist ebenfalls problematisch.
Wer den gesamten Notgroschen investiert, muss bei der nächsten größeren Ausgabe möglicherweise Anteile mit Verlust verkaufen.
Investitionen sollten deshalb immer zusätzlich zum Notgroschen erfolgen.
Rücklagen vergessen
Viele Menschen sparen entweder für den Notfall oder investieren.
Dabei fehlen Rücklagen für planbare Ausgaben wie:
- neue Waschmaschine,
- Autoreifen,
- Urlaub,
- Möbel,
- Versicherungen.
Das führt dazu, dass ständig Geld aus dem Notgroschen entnommen wird, obwohl gar kein echter Notfall vorliegt.
Kein klares Sparziel
Wer lediglich Geld „ansammelt“, verliert häufig die Motivation.
Klare Ziele machen Entscheidungen deutlich einfacher. Du weißt, warum du sparst und welche Anlageform zu deinem Zeitrahmen passt.
Ein mögliches Beispiel aus dem Alltag
Stellen wir uns vor, Lisa hat einen Notgroschen von 9.000 Euro aufgebaut. Zusätzlich bleiben ihr jeden Monat 500 Euro zum Sparen.
Anstatt weiterhin alles auf das Tagesgeldkonto zu überweisen, entscheidet sie sich für eine klare Aufteilung:
- 300 Euro investiert sie monatlich in einen weltweit gestreuten ETF.
- 100 Euro spart sie für ihren nächsten Urlaub.
- 100 Euro legt sie für größere Autokosten zurück.
Nach einigen Jahren verfügt Lisa nicht nur über einen stabilen Notgroschen, sondern hat gleichzeitig Vermögen aufgebaut und muss für größere Ausgaben nicht an ihre Geldanlage oder ihre Sicherheitsreserve gehen.
Dieses einfache System sorgt für mehr Struktur und reduziert das Risiko spontaner finanzieller Entscheidungen.
Welche Rolle spielen Schulden?
Bevor du nach dem Notgroschen konsequent Vermögen aufbaust, solltest du einen Blick auf bestehende Schulden werfen.
Hier gilt eine einfache Faustregel:
Hohe Kreditzinsen schlagen in den meisten Fällen jede sichere Geldanlage.
Besonders bei:
- Dispokrediten,
- Kreditkartenschulden,
- Konsumentenkrediten
ist es oft sinnvoller, diese zuerst zurückzuzahlen, bevor zusätzlich investiert wird.
Anders sieht es bei langfristigen Immobilienkrediten mit niedrigen Zinssätzen aus. Hier kann es sinnvoll sein, gleichzeitig zu investieren und den Kredit planmäßig weiterlaufen zu lassen.
Eine pauschale Antwort gibt es nicht – entscheidend sind Zinshöhe, Laufzeit und deine persönlichen Ziele.
Passt die 50-30-20-Regel nach dem Notgroschen noch?
Viele kennen die bekannte 50-30-20-Regel:
- 50 % für notwendige Ausgaben,
- 30 % für persönliche Wünsche,
- 20 % zum Sparen.
Nach dem Aufbau des Notgroschens verändert sich allerdings die Bedeutung der Sparquote.
Die 20 Prozent müssen nicht mehr vollständig auf dem Tagesgeldkonto landen.
Stattdessen können sie beispielsweise so aufgeteilt werden:
- ein Teil für langfristige Geldanlagen,
- ein Teil für Rücklagen,
- ein Teil für größere Ziele wie Eigenkapital oder Weiterbildung.
Dadurch entwickelt sich dein Finanzsystem automatisch weiter, ohne dass du dein gesamtes Budget umstellen musst.
Fazit: Der Notgroschen ist das Fundament – nicht das Endziel
Den Notgroschen aufzubauen ist eine der wichtigsten finanziellen Entscheidungen überhaupt. Er schützt dich vor unerwarteten Ausgaben und gibt dir Sicherheit im Alltag.
Doch genau deshalb sollte er nicht dein einziges Sparziel bleiben.
Sobald dein finanzielles Polster steht, beginnt die eigentliche Vermögensplanung. Jetzt geht es darum, jedem Euro eine Aufgabe zu geben: Ein Teil sorgt weiterhin für Sicherheit, ein anderer finanziert zukünftige Anschaffungen und wieder ein anderer arbeitet langfristig am Kapitalmarkt für deinen Vermögensaufbau.
Wer diese Bereiche sauber voneinander trennt, trifft häufig bessere finanzielle Entscheidungen, bleibt auch in schwierigen Situationen handlungsfähig und schafft die Grundlage für langfristigen Wohlstand.
Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele Konten oder komplizierte Strategien zu nutzen. Ein einfaches System, das zu deinem Alltag passt und konsequent umgesetzt wird, ist in den meisten Fällen deutlich erfolgreicher als der Versuch, jede Renditechance bis ins letzte Detail zu optimieren.
Falls du gerade an diesem Punkt stehst, lohnt es sich jetzt, deine persönlichen Ziele zu definieren und anschließend die passende Strategie auszuwählen – statt das Geld einfach weiter auf dem Tagesgeldkonto anzusammeln.
Häufige Fragen (FAQ)
Reicht ein Notgroschen von 5.000 Euro aus?
Das hängt von deinen monatlichen Ausgaben und deiner Lebenssituation ab. Für manche Haushalte sind 5.000 Euro ausreichend, andere benötigen aufgrund höherer Fixkosten oder unsicherer Einkünfte deutlich mehr.
Sollte ich nach dem Notgroschen sofort investieren?
Wenn dein Notgroschen vollständig aufgebaut ist, keine teuren Schulden bestehen und du dein Geld langfristig nicht benötigst, spricht grundsätzlich nichts dagegen, mit dem Vermögensaufbau zu beginnen.
Muss der Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto bleiben?
In den meisten Fällen ja. Das Geld sollte jederzeit verfügbar sein und keinen Wertschwankungen unterliegen. Ein Tagesgeldkonto eignet sich deshalb besser als ein Depot.
Kann ich mehrere Sparziele gleichzeitig verfolgen?
Ja. Gerade nach dem Aufbau des Notgroschens ist es sinnvoll, das monatliche Sparen auf verschiedene Ziele aufzuteilen – etwa für Rücklagen, langfristige Investments und größere Anschaffungen.
Was ist wichtiger: Eigenkapital ansparen oder investieren?
Das hängt davon ab, wann du das Geld benötigst. Planst du innerhalb weniger Jahre einen Immobilienkauf, steht der Kapitalerhalt meist im Vordergrund. Liegt dein Ziel noch viele Jahre in der Zukunft, können breit gestreute Wertpapierinvestments eine sinnvolle Option sein.
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